Höhlenklang und Akustik
Höhlen sind bemerkenswerte akustische Räume. Hohe Luftfeuchte und Kalkwände erzeugen lange Nachhallzeiten; das Fehlen von Umgebungsgeräuschen lässt leise Töne tragen. Mehrere Höhlen werden genau deshalb für Musik genutzt.
Nachhallzeit
RT60 — Zeit, bis ein Klang um 60 Dezibel sinkt — ist die Standardmessung. Konzertsäle zielen auf rund 2 Sekunden. Höhlenhallen erreichen oft 5–15 Sekunden in großen Räumen. Der Konzertsaal Postojna liegt bei etwa 8 Sekunden.
Tropfendes Wasser als Musik
Ein einzelner Wassertropfen in stiller Höhle erzeugt einen klaren, musikalischen Ton. Mehrere Tropfen ergeben Rhythmen. Die Resonanz verstärkt und hält sie. Viele Höhlenforscher beschreiben Wildhöhlen als "musikalisch".
Infraschall
Höhlen mit Luftzug erzeugen Infraschall — Frequenzen unter dem menschlichen Hörbereich (<20 Hz). Dokumentiert in vielen großen Systemen; erklärt vielleicht das Unbehagen mancher Besucher.
Konzerte in Höhlen
Der Konzertsaal Postojna veranstaltet jährlich Orchesteraufführungen. Eisriesenwelt hat kleine Auftritte gehabt. Das Salzbergwerk Wieliczka in Polen hat eine Kapelle mit außergewöhnlicher Akustik. Eiszeitliche Nutzung bemalter Höhlen könnte Klang einschließen — die am stärksten dekorierten Kammern sind oft die akustisch resonantesten.
Aufnahme
Höhlenaufnahmen verlangen sorgfältige Mikrofonierung und sehr niedrige Rauschschwellen. Sennheiser MKH und Schoeps CMC üblich. Das Klangbild ist mit Oberflächenmaterial nicht zu vergleichen.
Hörbares Höhlenleben
Grillen am Eingang; Fledermausrufe bei hohen Frequenzen (manche hörbar, meist Ultraschall); gelegentlicher Plätscher von Höhlenfischen. Hinhören gehört zur Erkundung.
Auf der Karte erkunden
Akustisch interessante Höhlen auf der interaktiven Karte.